Eine Webseite kann modern aussehen und technisch einwandfrei funktionieren und trotzdem für manche Menschen schwer oder gar nicht nutzbar sein. Zu geringe Farbkontraste, winzige Schriften, unklare Links oder ein Menü, das sich nur mit der Maus bedienen lässt, werden schnell zu echten Hindernissen.
Digitale Barrierefreiheit bedeutet, Webseiten so zu gestalten, dass möglichst viele Menschen ihre Inhalte wahrnehmen, verstehen und bedienen können. Davon profitieren nicht nur Menschen mit dauerhaften Einschränkungen. Auch eine gebrochene Hand, schlechte Lichtverhältnisse, ein kleines Smartphone-Display oder nachlassende Sehkraft können die Nutzung erschweren.
In diesem Artikel zeige ich Dir sieben Maßnahmen, die Du an Deiner eigenen Webseite prüfen und Schritt für Schritt verbessern kannst. Du brauchst dafür kein Spezialwissen und musst auch nicht versuchen, sämtliche Anforderungen der WCAG an einem Nachmittag abzuarbeiten.
Wenn Du Deine Webseite noch grundsätzlich planst, lies vorher:
Webseite erstellen: Die 6 wichtigsten Schritte für Anfänger
Was bedeutet Barrierefreiheit bei einer Webseite?
Eine barrierefreie Webseite soll Menschen nicht unnötig davon ausschließen, Informationen zu lesen, Formulare auszufüllen, Videos zu nutzen oder eine Bestellung beziehungsweise Buchung abzuschließen.
Eine wichtige Orientierung dafür sind die Web Content Accessibility Guidelines, kurz WCAG. Das sind international anerkannte Richtlinien für digitale Barrierefreiheit. Die aktuelle WCAG-Version 2.2 ordnet die Anforderungen vier Grundprinzipien zu: Inhalte sollen wahrnehmbar, bedienbar, verständlich und robust sein.

Diese vier Begriffe klingen zunächst theoretisch. Für Deine Webseite werden sie aber sehr praktisch: Kann jemand Deinen Text erkennen? Kann er mit der Tastatur durch das Menü navigieren? Versteht er, was ein Button macht? Genau an solchen Fragen setzt Barrierefreiheit an.
Muss jede Webseite seit 2025 barrierefrei sein?
Seit dem 28. Juni 2025 gilt in Deutschland das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG), aber daraus folgt nicht, dass automatisch jede geschäftliche Webseite unter das Gesetz fällt.
Das BFSG betrifft bestimmte Produkte und Dienstleistungen, darunter auch Dienstleistungen im elektronischen Geschäftsverkehr. Dazu können zum Beispiel Online-Shops oder bestimmte Online-Buchungsprozesse gehören. Kleinstunternehmen, die Dienstleistungen anbieten oder erbringen, sind grundsätzlich vom BFSG ausgenommen. Als Kleinstunternehmen gelten Unternehmen mit weniger als zehn Beschäftigten und höchstens 2 Millionen Euro Jahresumsatz beziehungsweise Jahresbilanzsumme.
Wichtig
Das ist nur eine allgemeine Orientierung und keine Rechtsberatung. Ob das BFSG für Deine konkrete Webseite und Dein Angebot gilt, solltest Du im Zweifel individuell prüfen. Unabhängig von einer gesetzlichen Pflicht lohnt es sich, unnötige Barrieren abzubauen.
7 Maßnahmen für eine barrierefreiere Webseite
1. Sorge für ausreichende Farbkontraste
Vielleicht kennst Du das: Eine sehr helle Schrift sieht im Design zunächst modern und dezent aus. Auf dem Smartphone oder bei hellem Tageslicht lässt sie sich plötzlich kaum noch lesen. Für Menschen mit einer Sehschwäche kann ein zu geringer Kontrast die Nutzung einer Webseite noch deutlich schwieriger machen.
Deshalb sollte sich Text klar vom Hintergrund abheben. Das gilt nicht nur für Fließtexte, sondern auch für Buttons, Links, Formularfelder und andere wichtige Elemente Deiner Webseite. Als Orientierung gibt die WCAG 2.2 konkrete Mindestwerte vor. Für normalen Text sollte das Kontrastverhältnis auf Level AA mindestens 4,5:1 betragen, für großen Text mindestens 3:1. Du musst diese Werte aber nicht selbst ausrechnen.
Mit dem WebAIM Contrast Checker kannst Du die Vordergrund- und Hintergrundfarbe eingeben und direkt prüfen, ob der Kontrast ausreicht.
Achte außerdem darauf, Informationen nicht nur über eine Farbe zu vermitteln. Wird ein fehlerhaft ausgefülltes Formularfeld beispielsweise ausschließlich rot markiert, kann diese Information für manche Nutzer schwer erkennbar sein. Ergänze deshalb eine verständliche Meldung wie „Bitte gib eine gültige E-Mail-Adresse ein“.

2. Verwende Alt-Texte richtig
Ein Alt-Text, also Alternativtext, beschreibt den relevanten Inhalt eines Bildes für Menschen, die das Bild nicht oder nicht vollständig wahrnehmen können. Screenreader können diesen Text vorlesen.
Die häufige Regel „Jedes Bild braucht einen beschreibenden Alt-Text“ ist allerdings zu pauschal. Entscheidend ist die Funktion des Bildes.
Die meisten Probleme entstehen nicht durch Technik, sondern durch fehlende Grundlagen. Die kleinen Details, die oft übersehen werden. Genau deshalb lohnt es sich, diese Punkte bewusst durchzugehen.
1. Texte gut lesbar machen
Texte sind das Erste, was Deine Besucher wahrnehmen. Wenn sie anstrengend zu lesen sind, verliert der Nutzer schnell die Geduld.
⚠️ Hierbei solltest Du auf folgendes achten:
- gut erkennbare und klare Schriftarten
- ausreichende Schriftgröße
- genügend Abstände zwischen den Zeilen
💡 Unklare oder zu kleine Texte führen schnell dazu, dass Besucher abspringen.Schon kleine Anpassungen sorgen dafür, dass Inhalte deutlich angenehmer aufgenommen werden.
2. Farben mit ausreichend Kontrast wählen
Farben können Deine Webseite optisch aufwerten oder genau das Gegenteil bewirken. Besonders bei Texten entscheidet der Kontrast darüber, ob Inhalte überhaupt wahrgenommen werden.
⚠️ Typische Probleme:
- heller Text auf hellem Hintergrund
- zu ähnliche Farbtöne
- Buttons, die sich kaum abheben
💡 Wenn Inhalte nicht sofort erkennbar sind, verlierst Du Besucher.
3. Klare Struktur mit Überschriften
Eine gute Struktur sorgt dafür, dass Inhalte nicht erschlagen, sondern geführt werden. Besucher scannen Webseiten, sie lesen selten alles im Detail.
👉 Deshalb helfen Dir:
- klare Überschriften als Orientierung
- kurze Absätze für bessere Lesbarkeit
- Listen für wichtige Inhalte
💡 Ohne Struktur wirkt selbst guter Inhalt schnell unübersichtlich.
4. Bedienung mit der Tastatur ermöglichen
Ein Punkt, der oft komplett vergessen wird: Nicht jeder nutzt eine Maus. Teste Deine Webseite einmal selbst nur mit der Tastatur. Du wirst schnell merken, ob alles logisch funktioniert oder nicht.
⚠️ Achte darauf:
- alle Elemente sind erreichbar
- Reihenfolge ist nachvollziehbar
- Fokus ist sichtbar
💡 Wenn die Navigation mit der Tastatur nicht funktioniert, ist Deine Webseite für einen Teil der Nutzer praktisch nicht nutzbar.
5. Bilder mit Alt-Text beschreiben
Bilder sind ein wichtiger Bestandteil Deiner Webseite, aber sie sind nicht für jeden sichtbar. Alt-Texte helfen dabei, Inhalte zugänglich zu machen.
👉 Beispiel:
„Webdesignerin erstellt Webseite am Laptop“
statt „bild123.jpg“
💡 Das ist ein kleines Detail, das oft übersehen wird, aber viel Wirkung hat.
6. Formulare mit klaren Labels versehen
Formulare sind häufig der Punkt, an dem Nutzer abbrechen. Unklare Felder sorgen schnell für Unsicherheit.
⚠️ Achte darauf:
- klare Beschriftung
- verständliche Hinweise
- nachvollziehbare Fehlermeldungen
💡 Je einfacher Dein Formular, desto höher die Abschlussrate.
7. Zoomen auf mobilen Geräten ermöglichen
Viele Nutzer greifen über das Smartphone auf Deine Webseite zu und zoomen Inhalte heran. Wenn Deine Seite darauf nicht vorbereitet ist, entstehen schnell Probleme:
⚠️ Typische Probleme:
- abgeschnittene Inhalte
- verschobene Layouts
- schwer klickbare Elemente
💡 Eine nicht funktionierende mobile Ansicht wirkt sofort unprofessionell.
Der größte Fehler bei Barrierefreiheit
Viele schieben das Thema vor sich her und denken, dass sie sich später darum kümmern können. Das wirkt im ersten Moment logisch, führt in der Praxis aber zu größeren Problemen.
Denn Barrierefreiheit ist kein einzelnes Feature, das Du am Ende „einbaust“. Sie entsteht durch viele kleine Entscheidungen im Aufbau Deiner Webseite.
⚠️ Wenn Du diese Grundlagen ignorierst, passiert Folgendes:
- Inhalte sind schwer verständlich oder schlecht lesbar
- Nutzer brechen schneller ab, ohne zu reagieren
- Deine Seite wirkt unruhig oder unprofessionell
- Nachträgliche Anpassungen werden deutlich aufwendiger
Ein weiterer häufiger Fehler ist, nur einzelne Punkte umzusetzen und den Rest zu vernachlässigen. Zum Beispiel gute Texte, aber schlechte Kontraste oder unklare Formulare. Dadurch entsteht kein stimmiges Gesamtbild.
💡 Barrierefreiheit ist kein Extra – sie ist die Basis. Sie funktioniert nur dann richtig, wenn die Grundlagen zusammenpassen. Wenn Du von Anfang an sauber arbeitest, sparst Du Dir später viel Zeit und vermeidest unnötige Korrekturen.
Fazit: Barrierefreiheit beginnt im Detail
Du musst nicht alles auf einmal perfekt umsetzen. Viel wichtiger ist, dass Du ein Bewusstsein dafür entwickelst und Deine Webseite Schritt für Schritt verbesserst.
💡Fokussiere Dich am Anfang auf die wichtigsten Grundlagen:
- gute Lesbarkeit
- klare Struktur
- verständliche Inhalte
Schon kleine Anpassungen können einen großen Unterschied machen.
⚠️ Wichtig: Barrierefreiheit ist kein Extra, sondern ein entscheidender Faktor für den Erfolg Deiner Webseite.
Wenn Deine Inhalte leicht verständlich sind und Deine Seite einfach zu bedienen ist, passiert automatisch:
- Besucher bleiben länger
- Vertrauen steigt
- mehr Anfragen entstehen
Gehe Deine Webseite jetzt einmal bewusst durch und prüfe, ob der Besucher sofort versteht, worum es geht und was er tun soll. Wenn nicht, optimiere genau dort.


